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In eine bedeutende Juristen-Familie hineingeboren, wurde Malesherbes in der Rechtswissenschaft ausgebildet. Der junge Anwalt zeigte früh seine intellektuelle Fähigkeit, als er 1750 zu dem Präsidenten des cour des aides des Pariser Parlaments ernannt wurde, nach dem er sein Vater, Guillaume de Lamoignon, zu dem Kanzler befördert worden war. Eine der Pflichten des Kanzlers war die Kontrolle der Presse, und diese Pflicht wurde Malesherbes von seinem Vater während seiner achtzehn Amtsjahre anvertraut und brachte ihn viel mehr als seine richterlichen Aufgaben in Kontakt mit der Öffentlichkeit. Um sie effizient auszuüben, hielt er Kommunikation mit den literarischen Führern in Paris, insbesondere mit Denis Diderot; Grimm geht sogar soweit zu sagen, dass die Encyclopédie ohne Malsherbes' Hilfe wahrscheinlich nie veröffentlicht worden wäre.
1771 wurde er aufgefordert, sich in die Politik einzumischen; die Parlements in Frankreich waren aufgelöst worden, und ein neues Verfahren für die Justizverwaltung war von Maupeou entworfen worden. Es war an sich lobenswert, da es auf eine bessere und schnellere Justizverwaltung abzielte, war aber schädlich, da es eine Tendenz zur Überzentralisierung aufwies und den erblichen Amtsadel abschaffte, der – trotz aller seiner Mängel – von seiner Wesensart her Unabhängigkeit behalten hatte und eine Kontrolle der Macht des Königs ausübte. Malesherbes legte eine energische Remonstranz gegen das neue System vor und wurde sogleich zu seinem Landsitz in St. Lucie verbannt. Nach der Thronbesteigung Ludwigs XVI. wurde er allerdings zusammen mit dem alten Parlament zurückberufen und 1775 zu dem Minister des maison du roi gemacht.
Er bekleidete ca. neun Monate dieses Amt, während derer er jedoch seine Aufmerksamkeit der Polizei des Königreichs widmete, die zu seinem Bereich hinzugeschlagen wurde, und er tat viel, um die verhasste Praxis der Ausstellung von lettres de cachet einzudämmen. Der Protest des cour des aides 1775 ist eines der wichtigsten Dokumente des alten Regimes in Frankreich. Es enthält eine Bestandsaufnahme der korrupten und ineffizienten Verwaltung und konfrontierte den König mit völlig umverblümter Kritik.
Nach seinem Rückzug aus dem Kabinett mit Turgot in dem Jahr 1776 begab sich Malesherbes gänzlich in ein zufriedenes Land- und Hausleben und reiste durch die Schweiz, Deutschland und die Niederlande. Ein Aufsatz über protestantische Heiraten (1787) trug sehr zu deren staatlicher Anerkennung in Frankreich bei. Er war stets ein begeisterter Botaniker gewesen; seine Allee in St. Lucie war weltberühmt; er hatte in dem Namen der Botaniker gegen Buffon geschrieben, der sie angegriffen hatte, und war schon 1750 zu dem Mitglied der Académie des sciences gewählt worden. Nun wurde er in die Académie française aufgenommen, und alles deutete darauf hin, dass er sein Alter ruhig und friedlich in dem Schoß seiner Familie verbringen würde, beschäftigt mit wissenschaftlichen und literarischen Interessen. Der König in seinen Schwierigkeiten wollte jedoch seine Unterstützung und berief ihn 1787 zurück in das Kabinett. Malesherbes behielt sein Amt ca. für kurze Zeit, kehrte aber dieses Mal mit einem verunsicherten Gefühl zurück in sein Landleben, und als die Probleme zunahmen, zog er sich in die Schweiz zurück.
Nichtsdestotrotz verließ er 1792 sein Asyl, trotz der berechtigten Entschuldigung, die ihm sein langer Ruhestand und sein Alter ihm gegeben hätten. Mit François Tronchet und Raymond Desèze übernahm er die Verteidigung des Königs vor dem Konvent, und ihm viel die schmerzhafte Aufgabe zu, dem König die Nachricht von seiner Verurteilung zu überbringen. Nach diesem Unternehmen kehrte er abermals zurück aufs Land, aber in dem Dezember 1793 wurde er mit seiner Tochter, seinem Schwiegersohn M. de Rosambô und seinen Enkeln verhaftet. Am 23.04 1794 wurde er guillotiniert, nach dem er hatte mitansehen müssen, wie alle, die er in der Welt geliebt hatte, vor seinen Augen für ihre Beziehung zu ihm hingerichtet worden waren.
Obwohl er kein Mann der Tat und kaum ein Weltmann war, wurde Malesherbes durch seine ungeheuchelte Güte einer der populärsten Menschen in Frankreich, und es war ein Akt der Selbsthingabe, dass er sich für einen König opferte, der wenig oder nichts für ihn getan hatte.
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